Saskia Faltus

Das lab of tomorrow – kreative Problemlösung mit unternehmerischem Weitblick

Konkrete Herausforderungen in Entwicklungs- und Schwellenländern durch nachhaltiges Wirtschaften lösen, so lautet der Leitgedanke des lab of tomorrow (lot). Deshalb vereint das lot Privatwirtschaft, die Entwicklungszusammenarbeit, den öffentlichen Sektor sowie die Zivilgesellschaft und die Wissenschaft, um gemeinsam lösungsorientierte Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Um passende Teilnehmer*innen zu finden, setzt das lot dabei auf die eigene Öffentlichkeitsarbeit sowie auf Matchmaking via leverist.de.

Schlüsselelement des lot sind sogenannte Innovation Sprints, mehrtägige Workshops in denen Design Thinking angewandt wird – ein innovativer Prozess, der auf dem ganzheitlichen Verständnis des jeweiligen Problems beruht. Während eines Innovation Sprints werden verschiedene Lösungen entwickelt, gefolgt von einem iterativen Prozess mit weiterer Ideenfindung und -Verbesserung. Der Prozess lässt sich in fünf Schritten zusammenfassen:

  1. Austausch mit den betroffenen Personengruppen
  2. Formulierung einer konkreten Herausforderung mit Hinblick auf den Bedürfnissen und Wünschen der Zielgruppe
  3. Entwicklung verschiedener Geschäftslösungen für die zuvor definierte Herausforderung
  4. Erstellen eines Prototyps der möglichen Lösung
  5. Test des Entwurfs, Feedback und erneute (Weiter-)Entwicklung

© Zainul Yasni, Unsplash 2020

Das aktuelle 10. lot beschäftigt sich mit der tunesischen Agrar- und Lebensmittelproduktion. Denn der am schnellsten wachsenden Sektor Tunesiens verursacht auch den höchsten Wasserverbrauch und gravierende Umweltschäden durch giftige Abfälle. Insgesamt macht die Agrar- und Lebensmittelindustrie 65 % der gesamten Abfallmenge Tunesiens aus, woran die Olivenöl- und Käseproduktion den größten Anteil hat.

Im März 2021 versammelten sich deshalb kreative Köpfe aus der ganzen Welt, um Wege zu finden, wie die Industrie 4.0 zur Überwachung und Kontrolle dieses Abfallproblems eingesetzt werden könnte. Während dieses virtuellen Innovationssprints entwickelten 18 Vertreter*innen aus 14 europäischen und afrikanischen Unternehmen einzigartige Lösungen. Bob Sawadogo, der auf leverist.de von der neuesten lot Edition erfahren hatte, war einer von ihnen. Nachdem er die Einladung zum Innovation Sprint auf leverist.de entdeckt hatte, nahm er sofort über das Onlineformular Kontakt auf.

Auf die Frage was ihn dazu motiviert hat, am Workshop teilzunehmen, antwortet Bob: "Ich wollte mich mit internationalem Fachpersonal und Unternehmen darüber auszutauschen, wie man den Wasserverbrauch und die Abfallerzeugung minimieren kann". Mit seinem in Burkina Faso ansässigem Unternehmen CCEIM Burkina ist er in der industriellen Entwicklung tätig und möchte das Bewusstsein für neue Arbeitsmethoden und -Techniken schärfen, lebenslanges Lernen für die Belegschaft gewährleisten und bei der Einrichtung von neuen Maschinen und Industrieketten unterstützen. "Besonders die Idee, gemeinsam Lösungen gegen die Verschwendung von Ressourcen zu entwickeln, hat mich begeistert. Außerdem interessiere ich mich sehr für innovative Herangehensweisen und das Management von industriellen Verfahren zur Vermeidung von Ressourcenverschwendung im Allgemeinen", betont er.

© Leon, Unsplash 2019.

Am Ende des fünftägigen Innovationssprints hatten sich vier einzigartige Geschäftsmodelle herauskristallisiert, die sowohl die Abfallproduktion als auch den Wasserverbrauch mit Hilfe von Industrie 4.0 reduzieren. "Wir müssen lernen, unsere Ressourcen und unseren Verbrauch besser zu regulieren, ansonsten werden wir mit einem extremen Mangel an Wasser, allem voran Trinkwasser, konfrontiert werden", resümiert Bob.

Im Anschluss an den Innovation Sprint gehen die Entwicklungsteams in eine viermonatige Inkubationsphase. Während dieser Phase entwickeln sie ihre Geschäftsmodelle zu marktreifen Produkten oder Dienstleistungen weiter. Dabei erhalten sie Beratung und Unterstützung, um Start-ups oder Joint Ventures für den tunesischen Markt zu gründen. Schließlich soll ihr marktreifes Angebot nicht nur zur Erreichung der Sustainable Development Goals (SDGs) beitragen, sondern auch wirtschaftlich profitabel sein.

Wir sind gespannt darauf, wie ihre Marktpiloten aussehen werden. Wenn Sie erfahren möchten, welche Ideen es in den operativen Betrieb schaffen, sollte Sie unbedingt die Website des 10. lots für Updates aufsuchen. Dank der kreativen Initiativen des lab of tomorrow und leverist.de wird die Entwicklungszusammenarbeit innovativer und unternehmerischer denn je.

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Das lab of tomorrow (lot) ist eine Initiative der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Im Jahr 2016 initiiert, sind mittlerweile bereits fünfzehn lot-Prozesse entweder erfolgreich abgeschlossen oder stehen kurz vor dem Innovations-Sprint.

leverist.de ist eine kostenlose Online-Plattform, die von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) betrieben wird. Die Plattform bietet Geschäftsmöglichkeiten im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit und verbindet interessierte Unternehmen mit Expert*innen vor Ort.

© Hero Image: Daniele Franchi, Unsplash 2020.

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