Miriam Behrendt

Fake Arzneien erkennen – Leben retten

Der Verkauf von Medikamenten auf dem Schwarzmarkt boomt in vielen afrikanischen Ländern. Geringe Einkommen der lokalen Bevölkerung zwingen viele Patient*innen dazu, statt qualitativ sicherer Medikamente (meist ausländischer Pharmaunternehmen) günstigere Alternativen zu kaufen, die nicht selten schwere Folgeschäden bis hin zum Tod verursachen.

Nach Angaben der WHO sterben in Afrika jährlich ca. 400.000 Menschen an den Folgen von Malaria, 116.000 davon lassen sich auf die Nutzung von gefälschten Medikamenten zurückführen. Das Chemnitzer Unternehmen authentic.network hat eine auf Blockchain Technologie basierende Applikation entwickelt, die es erlaubt, „Fake-Arzneien“ von echten Medikamenten zu unterscheiden: Pharmaunternehmen und offizielle Importeur*innen können ihre Produkte mit einem individuellen Krypto-Code versehen, der von Verbraucher*innen mit Hilfe einer Handy-App eingelesen wird. Diese App zeigt innerhalb von Sekunden an, ob es sich bei dem erworbenen Produkt um ein echtes Medikament handelt oder um eine Fälschung. Diese innovative und lebensrettende Technologie wird in Kooperation mit dem ivorischen Gesundheitsministerium und den relevanten Industrieverbänden erstmals in dem afrikanischen Land bei Malariamedikamenten getestet.

© authentic.network

Business Scout Rene Megela unterstützt das Chemnitzer Start Up bei der Umsetzung des Projekts in Côte d’Ivoire. Der Betriebswirtschaftler ist Experte des Business Scouts for Development Programms, das im Auftrag des BMZ von der GIZ durchgeführt wird. Zu seinen Aufgaben gehört es, deutsche und ivorische Unternehmen bzgl. Kooperationsmöglichkeiten im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sowie zu Finanzierungsangeboten zu beraten, relevante Markt- und Sektorinformationen aufzubereiten und Projektansätze und Investitionsvorhaben mit lokalem Know-how zu unterstützen: „Wichtig ist es vor Ort die richtigen Partner zu finden. Viele meiner Aufgaben bestehen darin, interessierte Unternehmen zu begleiten, die eine Expansion in Côte d’Ivoire planen. Zusammen arbeiten wir daran, dass ihr Markteintritt so glatt wie möglich verläuft. Auf meinem Tisch landen aber auch Fragen wie: Und wie melde ich ein Gewerbe vor Ort an? Wie bekomme ich den Container aus dem Hafen? Wo bekomme ich einen Landvermesser und einen guten Notar? Die Klärung genau dieser Details ist sehr wertvoll und bestimmt, ob ein Unternehmen vor Ort erfolgreich sein wird.“

Dafür wurde in Côte d’Ivoire (zusammen mit Invest for Jobs) die Investorenanleitung „Investieren in Côte d’Ivoire“ geschrieben und auf die Webseite www.reaci.ci gestellt, die gemeinsam mit der deutschen Botschaft in Abidjan ins Leben gerufen wurde und wertvolle Informationen für Investoren über wichtige Partner, Instrumente und Analysen bietet.

Die erzielten Erfolge und Investitionen deutscher und europäischer Unternehmen in Côte d’Ivoire machen die Arbeit des Business Scouts sehr zufriedenstellend. Rene Megela schätzt die Tatsache, dass er an wichtigen sozio-ökonomischen Veränderungsprozessen beteiligt ist: „Im Fall der Technologie von authentic.network zur Erkennung von „Fake-Arzneien“ geht es um ein brisantes Thema. Der Handel mit gefälschten Medikamenten ist in Afrika ein Multi-Millionen-Geschäft. Die geringe Kaufkraft vieler Ivorer führt dazu, dass sie statt einer ganzen Packung Tabletten in einer Apotheke Tabletten lieber auf dem Markt kaufen, weil sie hier stückweise angeboten werden.“ Doch oft handelt es sich bei den Arzneien auf dem Markt um Placebos oder andere qualitativ minderwertige Medikamente, die die Erkrankung, wie z.B. Malaria, entweder gar nicht heilen, oder noch verstärken und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Die von authentic.network entwickelte Technologie könnte somit in Zukunft Leben retten.

Und die Reise ist noch lange nicht zu Ende: „Das großartige an der Technologie ist, dass sie für eine ganze Reihe anderer Produkte verwendet werden kann. So wurde eine Zusammenarbeit mit einem deutschen Konsortium angestoßen, das Covid-19-Schnelltests in Côte d’Ivoire herstellt und mit einem Code von authentic.network versieht, um die Echtheit der Tests zu bestätigen. Man kann aber auch jegliche Form von Dokumenten, wie z.B. Verträge, mit dem Code versehen, was ihre Fälschung verhindert und die Arbeit der Notare vereinfacht. D.h. wir arbeiten jetzt schon an der Weiterführung der Technologie in anderen Sektoren und auch an der Ausweitung in andere Länder in Afrika, wie z.B. Niger und Ruanda.“

Weitere Informationen zum Business Scouts for Development Programm und Kontaktdaten der Business Scouts finden Sie hier.

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