Förderung afrikanischer Bioprodukte für den europäischen Markt

Der Landwirtschaftssektor ist das Rückgrat vieler Entwicklungs- und Schwellenländerprofitiert unter anderem auch vom schnell wachsenden Markt für Bio-Produkte der Europäischen Union (EU) . Ab 2022 tritt jedoch eine neue Verordnung für Bioprodukte in Kraft. Um Entwicklungs- und Schwellenländer weiterhin bei der Erschließung des EU-Marktes zu unterstützen, erläuterte kürzlich eine Reihe von Webinaren die Änderungen der neuen EU-Öko-Verordnung,, gab Einzelheiten zum Erhalt einer Öko-Zertifizierung und beriet afrikanische Unternehmen, die nach Europa exportieren möchten.. Die Veranstaltungsreihe wurde von den Business Scouts for Development zusammen mit der Alliance for Product Quality in Africa organisiert und finanziert.


Die Bio-Landwirtschaft erhält die Gesundheit der Böden, der Ökosysteme und der Menschen aufrecht. Sie stützt sich auf ökologische Prozesse, biologische Vielfalt und an die örtlichen Gegebenheiten angepasste Kreisläufe und nicht auf den Einsatz von Produktionstechniken mit nachteiligen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Der EU-Markt für ökologische Erzeugnisse ist in den letzten zehn Jahren schnell gewachsen, und dieser Trend wird sich voraussichtlich fortsetzen, da Verbraucher immer mehr an gesunden Lebensmitteln interessiert sind, die zudem umweltfreundlich erzeugt werden.

Die EU hat sich in der „Farm to Fork-Strategie" das Ziel gesetzt, bis 2030 25 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologisch zu bewirtschaften, sodass auch Landwirt*innen, Verarbeiter*innen und Händler*innen aus Entwicklungs- und Schwellenländern von dem wachsenden Markt profitieren können. Insbesondere für afrikanische Länder ergeben sich neue Einkommensmöglichkeiten durch Bio-Kulturen, die in Europa nicht angebaut werden können, zum Beispiel tropische Kulturen wie Kaffee, Kakao, Gewürze, Olivenöl, Früchte oder auch Produkte aus Wildsammlung. Bei einem Anteil von 3 % an weltweiten ökologischen Anbauflächen, sind bislang jedoch nur 0,2 % der landwirtschaftlichen Flächen in Afrika als ökologisch zertifiziert. Dieser niedrige Prozentsatz ist hauptsächlich auf eine Wissenslücke in Bezug auf ökologische Praktiken und ökologische Verordnungen zurückzuführen.


Abbildung 1: © GIZ/Thomas Imo/photothek.net


Die EU-Öko-Verordnung ist die Rechtsgrundlage, die definiert, welche Produkte in der EU als ökologisch vermarktet werden dürfen, auch solche, die aus Nicht-EU-Ländern importiert werden. Die Verordnung wird ständig weiterentwickelt, um neue Erkenntnisse aus der Praxis und der Forschung einzubeziehen. Daraus ist die neue EU-Bio-Verordnung (EU 2018/848) entstanden, die ab 2022 (mit einer Übergangsfrist) verabschiedet werden muss. Ab dem kommenden Jahr gelten mehrere Änderungen in der Verordnung, die zentrale Aspekte wie Erzeugung, Verarbeitung, Gruppenzertifizierung, Dokumentation und Importe betreffen werden.

Um afrikanischen Unternehmen und Produzenten den Einstieg in den europäischen Bio-Markt zu erleichtern, bot das Business Scouts for Development Programm und die Allianz für Produktqualität eine Webinar-Reihe zur EU-Öko-Verordnung an. Die Reihe war kostenlos und informierte über die gesetzlichen Änderungen und deren Umsetzung in der Praxis. Zielgruppe waren Unternehmen und Landwirte im Agrarsektor in Algerien, Côte d'Ivoire, Ägypten, Äthiopien, Ghana, Marokko, Namibia, Ruanda, Senegal, Tunesien und Uganda. Eingeladen waren sowohl Unternehmen, die bereits biozertifiziert sind, als auch Unternehmen, die sich zertifizieren lassen wollen.

Die virtuellen Kurse wurden in Arabisch, Englisch und Französisch angeboten.

Die Allianz für Produktqualität und die Business Scouts for Development führten gemeinsam die virtuellen Schulungen durch, die am 25. Oktober 2021 starteten.

Es wurden drei Webinare mit dem folgenden Inhalt organisiert:

Webinar 1: Einführendes Webinar, das einen Überblick über die EU-Öko-Verordnung gab, die geplanten Änderungen der Verordnung hervorhob und erläuterte, wie man eine Öko-Zertifizierung erhält.

Webinar 2: Vertiefendes Webinar zum Thema Regulierung und Zertifizierung im ökologischen Pflanzenbau (einschließlich Themen wie Gruppenzertifizierung, Wildsammlung, Verarbeitung).

Webinar 3: Einführung in die Thematik der Exportmarktanbindung, Markteintrittsmöglichkeiten und Geschäftsmöglichkeiten in Deutschland/Europa für afrikanische Unternehmen.


Das Programm

Die Business Scouts for Development sind als entwicklungspolitische Experten*innen in rund 40 Ländern der Welt tätig. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) beraten sie deutsche, europäische und lokale Unternehmen in entwicklungspolitischen Fragen und fördern durch Kooperationsprojekte verantwortungsvolles unternehmerisches Engagement.

Die Allianz für Produktqualität ist eine Multi-Stakeholder-Partnerschaft und Teil der Sonderinitiative Ausbildung und Beschäftigung des BMZ. Sie widmet sich der Verbesserung der Produktqualität in ausgewählten afrikanischen Ländern, zum Beispiel von ökologischen Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Produkten. Innerhalb der Allianz arbeitet die GIZ Hand in Hand mit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) und setzt die Aktivitäten gemeinsam mit deutschen, europäischen und afrikanischen Unternehmen, Wirtschaftsverbänden, Fachinstitutionen und anderen Akteuren der Entwicklungszusammenarbeit um.


Titelbild: © GIZ

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